Das waren natürlich sehr interessante Informationen über den ehrenwerten Herrn Wolff, doch entschied ich mich erstmal diese ganze Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen und mich auf mein Buch-Projekt zu konzentrieren. Auch wenn ich mir sehr sicher war, dass Herr Wolff deutlich mehr Leichen im Keller haben muss, als meine Geschichte mit BWT und seiner um 180 Grad gedrehten Zeugenaussage zugunsten der gegnerischen Seite, trotz seines jahrelangen Versprechens die Wahrheit auch vor Gericht zu bezeugen.



Am 25. Januar 2020 um 13.47h schrieb Hannah dann doch Colin Kolles eine SMS. Nur ein einziger Satz: Hallo Herr Kolles, der Bernie sagte mir ich solle Sie nach der Uhr von Toto fragen - und er schickt Grüße. Genau eine Minute später - um 13.48h - rief er zurück, um ihr seine Version der dubiosen Uhr zu erzählen.

Colin Kolles berichtete, dass diese Uhr ein „Hauptakteur“ war bei einem Schlichtungsgespräch zwischen Toto Wolff und ihm das von Bernie initiiert wurde. Dieses Gespräch fand 2013 im Lindner Nürburgring Congress Hotel am Rennwochenende des GP von Deutschland statt, bei dem auch Fabiana Ecclestone anwesend war. Bernie wollte verhindern, dass der Inhalt des von Colin Kolles aufgezeichneten Gesprächs zwischen ihm und Toto Wolff an die Öffentlichkeit gelangt, um das Formel 1 Engagement der Daimler AG nicht unnötig zu gefährden. Nach diesem Gespräch sagte Kolles zu Wolff, dass er doch am besten seine Uhr (eine Rolex Daytona Paul Newman Edition) Bernie überreichen sollte, da dieser ihm gerade den Arsch gerettet hätte.

Einige Zeit später erreichte diese Uhr nun Bernie, der wiederum dachte er solle sie an Kolles weiterreichen, dafür dass dieser die Füße stillhält. Für Kolles war diese Uhr jedoch ein Schlichtungstribut an Bernie, da er wusste, dass Bernie Uhren sammelt und auch dass es Toto schmerzen würde dieses Sammlerstück wegzugeben. Er selbst wollte damit nichts zu tun haben.



Die Frage nach Totos Uhr veränderte Alles. Colin Kolles wurde schlagartig klar, dass es vorbei war mit dem „Füße stillhalten“. Bernie hatte de facto die Jagd auf Toto Wolff losgetreten. Vielleicht war die manipulierte Aussage in Sachen BWT-Sponsorship eine Schweinerei zu viel und hat Bernies Einstellung geändert. Es war offensichtlich nicht mehr wichtig, die Position von Wolff innerhalb der F1 und bei Daimler zu schützen. Bernie schien es vielmehr egal zu sein, ob Toto Wolff auf Grund seiner Taten vor die Hunde geht und Kolles hatte allzu lange seinen Ärger unterdrückt, einzig und alleine, weil er es Bernie an jenem Abend am Nürburgring in die Hand versprochen hatte. Nun war der Weg frei.

Da war doch noch diese Uhr - der physische Beweis, dass Kolles Geschichte der Wahrheit entsprach. Diese Uhr musste instrumentalisiert werden. Das war klar. Bernies Eröffnung, bei einem Telefonat mit Kolles, dass die Uhr wieder in Toto Wolffs Besitz sei war deshalb ein Schlag in die Magengrube. Bernie hatte sich übertölpeln lassen durch das Geflenne von Susie Wolff und das ärgerte ihn.

Die Uhr war weg. Shit happens. Aber Kolles hatte ja noch einiges andere auf Lager, denn er wusste von weiteren Betroffenen und Geschädigten durch Torger. Er begann diese Personen zu kontaktieren um weitere Beweise für die interessanten Machenschaften des Wolff zusammen zu tragen.



Am 3. Februar 2020 übermittelte Kolles einen Screenshot einer Email vom 19. August 2010 von Toto Wolff an Richard Karner in Kopie an Dany Bahar (damals Senior Vice President, Commercial and Brand bei Ferrari) und Rene Berger. Hierbei ging es um eine Provisionszahlung von Karner an Wolff für die Vermittlung eines offiziellen Ferrari-Vertragshändler-Status. Aus weiteren E-Mails, die ihm von Herrn Karner übermittelt wurden geht hervor, dass Torger „Toto“ Wolff anscheinend die Provisionen für Taner „Dany“ Bahar abgewickelt hat. Man braucht definitiv einen Künstlernamen für diese Art von Geschäften. Mein Vorschlag für Herrn Wolff wäre allerdings „Teflon Toto“, da anscheinend nichts an seiner weißen Weste haften zu bleiben scheint.

Am 5. Februar meldetet sich Colin Kolles wieder und berichtete, er hätte Kontakt zu einem Klaus Engelhorn, der übrigens mit einer BASF Erbin verheiratet ist, aufgenommen. Wolff habe damals viel Geld von Herrn Engelhorn erhalten für die Aussicht ins Fahrermanagement einzusteigen. Er kassierte von Herrn Engelhorn 1 Million Euro, damit Alexandre Premat ein Outing bei Spyker bekommen sollte. Wolff sagte damals zu Kolles, es gebe dafür nur 100.000 Euro und Alex Premat bekam dafür ein Freitags-Outing beim China GP 2006. Die verbleibenden 900.000 Euro habe Wolff vermutlich selber eingesackt oder vielleicht mit Bahar geteilt? Verbleib laut Engelhorn: unbekannt.



Colin Kolles war Anfang April 2020 mit seinen Recherchen an einem Punkt angelangt, an dem er die Ergebnisse mit der Daimler AG teilen wollte. Doch vorher wollte er sich nochmals versichern, dass auch Bernie dieselben Erinnerungen hatte. Bernie bestätigte, dass seine Intervention vom Nürburgring 2013 einzig darauf abzielte das Engagement von Daimler in der F1 nicht zu gefährden. Es wäre absolut kontraproduktiv für ihn gewesen, wenn deren Team-Chef aufgrund seiner schmähenden Aussagen über den damaligen Vorstand Dr. Zetsche und Niki Lauda geköpft worden wäre. Die Saison 2013 war ohne gültiges Concord Agreement gestartet und jegliche Irritation eines der großen Spieler musste unter allen Umständen vermieden werden.

Kolles erhielt von Bernie die Mobil-Nummer des amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG Ola Källenius und ließ ihm einen Brief per WhatsApp zukommen.

Obgleich es Sonntag war hat Herr Källenius die Nachricht von Colin Kolles ganz offensichtlich gelesen, wie man bei WhatsApp sehr schön an den blauen Häkchen erkennen kann.

Umgehend am Tag danach erhielt Kolles einen Anruf vom Chief Compliance Officer der Daimler AG. Dem waren die von Kolles dargelegten Fakten unbekannt, jedoch gab er zu verstehen, dass bereits eine Akte Wolff im Konzern existiere.

Auf Basis der Compliance Regeln von Daimler war der CCO enorm an den Details der Anschuldigungen interessiert, und bat Kolles um Material, um diese zu untermauern. Kolles schrieb die Fakten in einem weiteren Brief nieder, und beantwortete diese per E-Mail übermittelten Fragen des Business Practice Office (BPO).



Fortsetzung folgt … vermutlich eher in der Presse.